ZPD: Explosion einer Fliegerbombe am 1. Juni 2010 in Göttingen Niedersachsen gedenkt der drei ums Leben gekommenen Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KBD)

Im Rahmen einer Kranzniederlegung haben der Präsident des LGLN Michel Golibrzuch (Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen), Thomas Bleicher (Kampfmittelbeseitigungsdienst – KBD im LGLN), Polizeivizepräsident Gerd Lewin (Polizeidirektion Göttingen) sowie Polizeivizepräsident Uwe Lange (Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen – ZPD) heute Mittag der vor zehn Jahren ums Leben gekommenen Kollegen des KBD gedacht. Die kleine Gedenkfeier fand an dem Ort statt, wo infolge der unerwarteten Detonation eines Blindgängers aus dem 2. Weltkrieg drei Angehörige des KBD starben und sechs weitere verletzt wurden – teils schwer. Am Unglücksort in Göttingen steht heute die Sparkassen-Arena, in der eine Gedenktafel an das schreckliche Ereignis von vor zehn Jahren erinnert.

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius: „Vor genau zehn Jahren wurden die Gefahren, die von den Hinterlassenschaften des 2. Weltkriegs auch noch Jahrzehnte nach dessen Ende ausgehen, leider auf erschreckende Weise Realität: Drei ausgewiesene und gleichermaßen besonnene Experten des KBD kamen bei ihrer wertvollen Arbeit für unser Gemeinwohl ums Leben, sechs weitere wurden verletzt. Meine und unsere Gedanken sind heute bei den Opfern dieses tragischen Unglücks von Göttingen und bei deren Angehörigen. Die heutige Erinnerung an ihren Tod macht uns allen klar, dass Kampfmittel nach wie vor eine große Bedrohung darstellen. Der KBD setzt sich weiterhin tagtäglich unter hohem persönlichen Einsatz für die Entschärfung und Beseitigung ein, dafür danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich.“

Der KBD zählt aktuell rund 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen rund die Hälfte im Außendienst arbeitet. Ein weiterer Tätigkeitsschwerpunkt ist die aktive Suche nach Bombenblindgängern unter Zuhilfenahme alliierter Luftaufnahmen aus der Zeit des 2. Weltkrieges. Auch vor dem Hintergrund der im LGLN vorhandenen Kompetenz in der Auswertung und Kartographierung von Luftbildern, wechselte die Dienststelle 2012 von der ZPD in das Landesamt.

Für das LGLN erinnerte Michel Golibrzuch an das furchtbare Geschehen: „Das tragische Unglück von Göttingen hat sich tief in das kollektive Gedächtnis des KBD in Niedersachsen eingegraben. Wir werden die verstorbenen Kollegen nicht vergessen.“ An seiner Seite in Göttingen stand Thomas Bleicher, damals wie heute Leiter des KBD. „Der 1. Juni 2010 wird für uns ein stets präsenter Schicksalsschlag bleiben, der uns auch heute bei jedem Einsatz begleitet. An diesem Tag entschärften wir bereits in Oldenburg und Tettenborn bei Bad Sachsa erfolgreich zwei Kampfmittel. Für die Abendstunden waren noch Bombenentschärfungen in Hannover und Göttingen vorgesehen, an denen zwei Teams parallel arbeiteten. Als gegen 21:30 Uhr bei den Vorbereitungsarbeiten in Göttingen der Bombenblindgänger ohne Fremdeinwirkung detonierte, wandelte sich ein zuvor sonniger Tag binnen Sekunden zum dunkelsten Tag in der über 70-jährigen Geschichte des KBD“, zeigte sich der erfahrene Leiter noch immer betroffen.

Neben den Einsatzkräften aus Feuerwehr und Rettungsdiensten bot sich unmittelbar nach der Explosion auch der Polizei in Göttingen ein schrecklicher Anblick. „Heute erinnert eine Gedenktafel in der Sparkassen-Arena an das Geschehen vom 1. Juni 2010. Sie führt uns jeden Tag die Gefahren vor Augen, denen der KBD überall und jederzeit ausgesetzt ist. Und sie erinnert uns schmerzlich an den Tod von drei Kollegen, die angetreten sind, um Göttingen ein Stück sicherer zu machen“, so Gerd Lewin. Er würdigte in dem Zusammenhang auch noch einmal das große Engagement aller Einsatzkräfte, darunter viele Ehrenamtliche, im Zuge des Rettungseinsatzes. „Allen, die sich damals einsetzten und es heute immer noch tun, gilt unser großer Dank und ebensolcher Respekt!“

Als die Nachricht von der verheerenden Bombenexplosion vor zehn Jahren den Behördensitz der ZPD in Hannover erreichte, wurde aus der bis dahin gewohnten Routine erfolgreicher Einsätze plötzlich bitterer Ernst: „Unglaube und tiefe Bestürzung waren unsere ersten Reaktionen. Wir standen regelrecht unter Schock“, erinnerte sich Uwe Lange. Was danach anlief, war eine Welle des Mitgefühls und der Fürsorge, wie es die Angehörigen der ZPD noch nie erlebt hätten, so Uwe Lange weiter. „Wenn auch der KBD als Dienststelle nicht mehr zu uns gehört: Es sind und bleiben unsere Kollegen, derer wir heute mit einem Gefühl der Verbundenheit gedenken. Und ohne die große Anteilnahme und Unterstützung aus ganz Niedersachsen und weit darüber hinaus hätte es bestimmt noch viel länger gedauert, das Unfassbare zu verarbeiten. Es ist uns allen wichtig, auch daran zu erinnern.“

Im Zuge umfangreicher Ermittlungen zur Unglücksursache kam die Staatsanwaltschaft Göttingen im Sommer 2011 zu dem Ergebnis, dass im Umgang mit dem Blindgänger kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten festzustellen gewesen sei./wo

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